· 

Auch ihr Mörder wohnte in Weggis

Am 3. Februar 1898 wurde in der lokalen Presse bekanntgegeben, dass die in Weggis wohnhafte Rosa Luxemburg den in Basel wohnhaften Gustav Lübeck geheiratet habe. Hätte es sich nicht bloss um eine Scheinehe gehandelt und hätte Rosa Luxemburg längere Zeit in Weggis gewohnt, so würden wohl bis heute zahlreiche Anhänger/innen von Rosa Luxemburg nach Weggis pilgern. Und wenn auch noch bekannt geworden wäre, dass Waldemar Pabst, der Chef des Elite-Freikorps, der 1919 für die Ermordung von Rosa Luxemburg  verantwortlich war, in einer Villa in Weggis residiert hatte, dann wäre der Touristenmagnet perfekt gewesen. Aber eben: wenn…. 
Die 1871 geborene Rosa Luxemburg war eine der einflussreichsten Vertreterinnen der europäischen Arbeiterbewegung. Sie war ein Kind ihrer Zeit, die Zeit der Industrialisierung und des ersten Weltkriegs. Sie sprach sich vehement gegen Militarismus sowie gegen den Imperialismus aus und wurde Mitbegründerin der Kommunistischen Partei Deutschlands. Als sie sich der revolutionären Arbeiterbewegung angeschlossen hatte, musste sie flüchten und gelangte so nach Zürich, wo sie studierte und doktorierte. Von dort aus entdeckte sie Weggis und weilte in der Pension „Zur Tanne“ (heute: Gotthardstrasse 69). Wahrscheinlich nahm der für ihren Mord verantwortliche Waldemar Pabst erst zu einem späteren Zeitpunkt Wohnsitz in Weggis. Wir wissen einzig, dass er nach dem zweiten Weltkrieg nach Deutschland zurückkehrte. 
„Wie seltsam kreuzen sich doch die Wege des Lebens!“ (Hans Christian Andersen).
 
PS Noch immer finden in Berlin alljährlich Grossdemonstrationen zu Ehren von Rosa Luxemburg statt.

Quellen:
http://dokumente.stabs.ch/view/2022/JD-REG_6a_6-3-1_(1)_1/#14  / 1.12.2022
https://www.swissinfo.ch/ger/100--todestag-rosa-luxemburg_von-zuerich-zur-revolution-nach-berlin/44706536 / 1.12.2022
https://www.workzeitung.ch/2019/01/moerder-chef-lebte-straflos-in-der-schweiz/ / 21.11.2022

Bild: https://www.marxist.com/reclaiming-revolutionary-legacy-rosa-luxemburg.htm

Karin Bernath