„Unser“ Rigiblick

Seit 1964 gehört der Rigiblick „uns“, und zwar hälftig der Korporationsgemeinde Weggis und hälftig der Einwohnergemeinde Weggis. Sie waren überzeugt, dass der Rigiblick als Naherholungsgebiet für Weggis gesichert werden müsse, denn während nahezu einem Jahrhundert war er Spekulationsobjekt. Als 1882 der Bau des Gothardtunnels begann, war sich die Schweizerische Gotthardvereinigung noch nicht im klaren, ob sie die Gotthardbahn über Küssnacht, Weggis nach Brunnen oder über Arth führen soll. Die potentielle Nähe zur Bahn verhiess für Spekulanten Gewinne, deshalb kauften sie schnell Land, Immobilien und bauten Touristenbetriebe. Gottlieb Zingg, Meggener Hotelbesitzer und Besitzer der Dampfschiffgesellschaft Küssnachtersee, sah das Potential des Rigiblicks und erwarb ihn kurzerhand. Er sagte von sich, er sei im Spekulationsfieber. So baute er 1873 vor die bestehende Scheune auf dem Rigiblick das Restaurant „Burg“ und verpachtete es. Ein Aussichtsturm wurde zum beliebten Ausflugsziel. 1878 plante er, eine Standseilbahn. Sein Freund, der Vitznau-Rigi-Bahn-Erbauer Nicolaus Riggenbach wäre bereit gewesen, eine Standseilbahn zu erstellen. Allerdings war Gottlieb Zingg damals bereits schon ziemlich verschuldet. Er verkaufte die Liegenschaft dem Generalsekretär des Gotthardkomitees, welcher die „Aktiengesellschaft Rigiburg“ mit Sitz in Zürich und Weggis gründete. Zingg blieb noch als kleiner Mitaktionär dabei. Allerdings führten mehrere Fehlentscheide der Aktiengesellschaft 1887 zum Konkurs. Fortan wechselten die Besitzer des Rigiblicks mehrmals. 1888 kaufte Konrad Hanitzsch die Liegenschaft, verkaufte sie bereits 1889 weiter an Dr. Neuhaus und dieser 1904 an die Rigiblickgesellschaft. Die neu gegründete Rigiblickgesellschaft erhielt am 22. Dezember 1906 eine Bahnkonzession für eine Drahtseilbahn vom  Hotel Post bis zum Rigiblick. Drei Haltestellen waren eingeplant: beim Kurhaus und Pension Köhler (Hotel Albana), bei der Steinacheri sowie bei der Ober Steinacheri. Als der Rigiblick wieder einmal in neue Hände gelangte, wurde vom damals erfolgreichen Architekten des Grand Hotel Dolder in Zürich ein nicht ganz bescheidenes Hotelprojekt in Auftrag gegeben (s. Bild, „IV Studie“ zum Kurhaus Rigiblick - Burg-Hotel vom 20.1.1913). Drahtseilbahn wie Grand Hotel blieben Projekte. Gäste wurden bis 1947 im Rigiblick bewirtet, anschliessend wurde es zum Armenhaus und Privatpersonen vermietet. 1962 kehrte Ruhe ein, seit der Rigiblick „uns“ gehört. Allerdings traten die Korporations- und Einwohnergemeinde das Haus 1996 im Baurecht für 75 Jahre ab. Die neuen Bewohner Jeanne-Marie und Heinz Horat restaurierten es inzwischen stilgerecht. So wurde zwar der Rigiblick ein wenig privat, aber dafür das Gebäude der Nachwelt in seinem ursprünglichen Zustand erhalten. 

Inventarnummer 11356 / K008, Bildnachweis: NLZ vom 10. Juni 2014 / Nr. 132, S. 16, Karin Bernath